Ein begehbarer Skulptur-Turm aus rostendem Stahl, 650 Meter Spiralrampe ohne eine einzige Stufe und an klaren Tagen Sicht bis Kopenhagen. Der Skovtårnet ist 60 Autominuten von der Fähre Gedser entfernt – und einer der eigentümlichsten Aussichtspunkte Nordeuropas.
Foto: Erik Cleves Kristensen / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Ich war Anfang Mai 2026 zum ersten Mal oben. Was mich überrascht hat: Der Turm sieht von außen wie eine Skulptur aus, aber innen fühlt er sich nicht an wie ein Aussichtsturm. Man geht 650 Meter eine flache Rampe spiralförmig hoch, vorbei an Eichenholz, das warm gegen den rostroten Stahl arbeitet. Keine Stufen, kein Geländer-Rummel. Auf dem Weg nach oben sieht man die anderen Besucher in der Spirale über sich und unter sich – das ist eine kleine architektonische Pointe, die man unterwegs erst versteht.
Oben dann eine offene Plattform auf 140 Metern über dem Meer. An dem Tag war es leicht diesig, ich konnte trotzdem die Storstrøm-Brücke und ein Stück Falster sehen. Bei richtig klarer Sicht (am ehesten morgens oder nach einer Wetterfront im Herbst) reicht es bis zur Øresundbrücke und nach Malmö. Ein Reisetipp, der bei Scandlines kaum auftaucht, obwohl der Turm fast direkt über der Fährroute liegt.
— Ingo Kroll, rostockgedser.de
Camp Adventure ist kein Freizeitpark im üblichen Sinn. Es ist ein Natur- und Erlebnisgelände, das mitten in einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete Dänemarks liegt – dem Forst des Gisselfeld Kloster, 1.000 Jahre alte Privatstiftung mit Schloss aus der Renaissance und tausenden Hektar Mischwald. Der Klosterforst stellt das Gelände, Camp Adventure betreibt das Besuchererlebnis darauf.
Drei Dinge passieren hier:
Architektonisch ist Camp Adventure international diskutiert worden: Dezeen, ArchDaily, designboom – der Turm war in der Architekturpresse einer der meistbeachteten dänischen Bauten der letzten Jahre. Trotzdem ist es kein touristischer Massenstandort. Im April und Mai trifft man unter der Woche oft nur eine Handvoll Besucher.
Entworfen hat den Turm das Kopenhagener Architekturbüro EFFEKT unter Führung von Tue Hesselberg Foged. Er wurde am 31. März 2019 eröffnet und bekam sofort gemischte, überwiegend begeisterte Kritiken – eingeladen war er unter anderem für den EU Mies Award für zeitgenössische Architektur.
Die Sanduhrform (im Englischen hourglass) ist konstruktiv ungewöhnlich: Unten breit, in der Mitte schmal, oben wieder ausladend. Damit ragt die Plattform über die schmalste Stelle hinaus und gibt freie 360°-Sicht. Verbaut wurden rostbeständiger Cortenstahl außen und geöltes Eichenholz im Innenraum – beides Materialien, die mit der Zeit nachdunkeln und sich an den Wald angleichen.
Im Innern führt eine durchgehend leicht ansteigende Spiralrampe nach oben. Insgesamt 650 Meter, ohne eine einzige Treppenstufe. Das war eine bewusste Entscheidung: Der Turm sollte für alle zugänglich sein – auch für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen, Senioren. EFFEKT hat das in mehreren Interviews als wichtigstes Designkriterium genannt.
Die Plattform liegt 45 Meter über dem Waldboden – aber 140 Meter über dem Meeresspiegel, weil der Klosterforst auf einer der höchsten Erhebungen Süd-Seelands steht. Bei klarem Wetter sieht man Richtung Norden bis Kopenhagen und Malmö (~70 km Luftlinie), Richtung Süden die Storstrøm-Brücke und Falster, Richtung Osten die Ostsee.
Bevor man den Turm überhaupt erreicht, läuft man einen 900 Meter langen erhöhten Holzpfad durch den Wald – ebenfalls barrierefrei, in Zickzack-Linien zwischen den Eichen. Der Boardwalk ist Teil des Erlebnisses, nicht nur Verbindungsweg. Im Frühling blühen darunter Buschwindröschen, im Sommer ist es schattig-kühl.
Die Sichtweite hängt stark vom Wetter ab. Hier die ehrliche Einschätzung nach mehreren Besuchen bei unterschiedlichen Bedingungen:
| Bedingung | Was sichtbar ist | Wann am wahrscheinlichsten |
|---|---|---|
| Glasklar (50 km+) | Kopenhagen-Skyline, Øresundbrücke, Malmö im Norden; bis Falster im Süden | Herbstmorgen nach kalter Nacht, klare Winter-Tage |
| Gut (20–30 km) | Storstrøm-Brücke, Ostsee, Wald-Panorama Richtung Præstø | Sonnige Frühlings- und Sommer-Tage ohne Höhenwolken |
| Diesig (10 km) | Nähere Waldlandschaft, Felder, einzelne Höfe | Schwüle Sommertage, nach Regen |
| Schlecht (Nebel) | Nur die nächsten Baumkronen | Herbstmorgen vor Sonnenaufgang, Inversionswetter |
Ein Tipp aus eigener Erfahrung: Am späten Nachmittag wird die Sicht in Richtung Westen oft besser, weil sich der Dunst legt. Für Fotos zur Goldstunde (eine Stunde vor Sonnenuntergang) ist die Plattform genial – sie bleibt länger geöffnet als ihre Öffnungszeiten ahnen lassen, weil Tickets per Self-Service-Automaten am Eingang auch nach Rezeptions-Schluss gültig sind.
Wer mit Kindern kommt oder selbst gern klettert, sollte den Climbing Park ins Auge fassen. Mehr als zehn Parcours zwischen den Bäumen, alle gesichert mit fest verbundenem Sicherheitsclip (kein „Klick und sich selbst aushängen“-Risiko mehr).
Niedrige Höhen, 2–3 Meter über dem Boden. Für die ersten Versuche. Ein Erwachsener muss am Boden bleiben und assistieren.
Mehrere Routen unterschiedlicher Schwierigkeit, Mindestgröße 110 cm. Bis 14 Meter über dem Boden, mehrere Seilrutschen.
Schwarze Routen mit echtem Schwierigkeitsgrad – auch für Erwachsene, die schon mal in einem Hochseilgarten waren. Inklusive 250-m-Seilrutsche.
Der Climbing Park braucht 3 bis 4 Stunden komplett – mit Sicherheitseinweisung, Übungsparcours und dann dem eigentlichen Klettern. Wer Tower und Climbing Park am selben Tag will, sollte früh kommen (vor 10 Uhr) und einen ganzen Tag einplanen. Für reinen Tower-Besuch reichen 2 Stunden.
Tickets gibt es online (mind. 72 Stunden vor Besuch günstiger) oder per Self-Service-Automat am Eingang. Eine separate „an der Tageskasse“-Variante gibt es nicht mehr – das macht alles über Maschinen oder über join.campadventure.dk.
| Alter | Vorbuchung (72 h+) | Spontan / am Tag | In EUR ca. |
|---|---|---|---|
| 7 Jahre und älter | 185 DKK | 200 DKK | 25 / 27 € |
| 3–6 Jahre | 85 DKK | 100 DKK | 11 / 13 € |
| 0–2 Jahre | Kostenlos | – | |
| Alter | Preis | In EUR ca. |
|---|---|---|
| Ab 15 Jahren | 375 DKK | 50 € |
| 7–14 Jahre (mind. 110 cm) | 275 DKK | 37 € |
| 3–6 Jahre (nur Kinderkurs) | 175 DKK | 23 € |
| Alter | Kombi-Preis | Ersparnis ggü. einzeln |
|---|---|---|
| Ab 15 Jahren | 475 DKK | ~100 DKK / 13 € |
| 7–14 Jahre | 375 DKK | ~100 DKK |
| 3–6 Jahre | 225 DKK | ~50 DKK |
Ab 10 Tickets gleicher Art gibt es 15 DKK Rabatt pro Ticket. Praktisch für Schulklassen, Vereine oder große Familienverbünde – muss aber im Voraus per E-Mail angefragt werden.
Camp Adventure akzeptiert Karte (Visa, Mastercard, Dankort) und MobilePay. Bargeld wird nicht angenommen – auch nicht am Parkscheinautomaten. Wer nur Bargeld dabei hat, muss in Rønnede (5 Auto-Minuten) Geld abheben oder ein Verständnis dafür mitbringen, dass Dänemark inzwischen kartenpflichtig ist.
Vom Fährhafen Gedser fahren Sie auf der E55 Richtung Norden. Die Strecke ist eine der am besten ausgebauten Routen Süd-Dänemarks:
Ab dem Parkplatz Camp Adventure sind es weitere ~600 Meter zu Fuß zum Tower-Eingang – der Weg ist eben und auch mit Kinderwagen oder Rollator gut zu schaffen.
Es gibt einen Bahnhof in Glumso&slash; (DSB-Linie København–Næstved), von dort sind es 12 km mit Taxi oder Bus 690 nach Camp Adventure. Komfortabler ist allerdings die Fahrt mit dem Auto – der öffentliche Anschluss ist umständlich.
Camp Adventure liegt direkt an der nationalen Radroute Nr. 9 (Helsinki-Helsingør-Ring). Für alle, die ihre Fähre-Gedser-Tour über mehrere Tage planen, ist der Turm ein lohnender Tagesstopp.
Ein Tagesausflug, der bei einem Wetter ein Highlight wird und bei anderem eher Geld kostet. Hier die ehrliche Einschätzung:
Architektur-Interessierte. Der Turm ist eine der meistbeachteten Bauten dänischer Gegenwartsarchitektur – und man steht mittendrin.
Familien mit Buggy oder kleinen Kindern. Komplett barrierefrei, gerade für 3–7-Jährige spannend, weil keine Treppe stresst.
Foto-Trips. Goldstunde, Wald-Panorama, Architektur-Detail. Mit jeder anständigen Kamera lassen sich gute Bilder machen.
Nebel oder Dauerregen. Dann bezahlen Sie 25 EUR für einen Spaziergang im Wald. Wetter vorher checken (DMI.dk).
Erwartung von „Aufzug nach oben“. Die Spirale ist 650 m, gemütlich, aber durchgehend leichter Anstieg. Wer schon Probleme mit 200 m Steigung hat, sollte Pausen einplanen.
Hauptsaisons-Wochenenden ohne Vorbuchung. Vor allem Juli/August können lange Wartezeiten am Self-Service-Automaten entstehen. Lieber 1–2 Tage vorher buchen.
Wenn das Wetter am geplanten Tag schlecht ist: Knuthenborg Safaripark auf Lolland ist eine echte Schlechtwetter-Alternative (Drive-through – man bleibt im Auto), nur eine halbe Stunde umweg von der gleichen Fähre. Oder Middelaldercentret Nykøbing – das Mittelalter-Museum ist größtenteils überdacht und liegt direkt an der Route.
Der Turm selbst ist von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zugänglich – und das ist wörtlich gemeint. Im Juni gehen Sie also um 4:30 Uhr morgens hoch (genial für Sonnenaufgang!), im November ist um 16 Uhr Schluss. Die Rezeption hat normalerweise 10–18 Uhr offen, aber Tickets gibt's per Self-Service-Automat 24/7.
Vor der Anreise auf dmi.dk/lokation/show/DK/2616892/R%C3%B8nnede die Sichtweite checken. Das dänische Wetteramt gibt „Sigtbarhed“ (Sichtweite) als eigenen Wert an – bei 30 km+ lohnt sich der Aufstieg richtig.
Es gibt ein Café am Empfang, aber die Preise sind dänisch (= hoch) und die Auswahl klein. Eigener Proviant ist erlaubt, am Boardwalk-Aussichtsplattform gibt es Bänke für Pausen.
Hunde sind an der Leine auf dem gesamten Boardwalk und im Climbing-Park-Gelände erlaubt – im Turm selbst aber nicht. Wer mit Hund reist: Camp Adventure hat einen kleinen „Hundezwinger“ (eigentlich nur ein schattiger Anbindeplatz) direkt am Tower-Eingang. Für Hundewege im Wald sind die mehreren markierten Routen rund um Gisselfeld kostenlos und teilweise besser als der Boardwalk.
Auf 45 Meter Höhe ist es oft 3–5 Grad kühler als am Boden, und es zieht. Selbst im Hochsommer gehört eine dünne Jacke ins Gepäck. Im Frühjahr und Herbst eher Pullover + Windbreaker.
Toiletten gibt es nur am Empfang, nicht auf der Strecke und nicht am Turm. Vor dem Boardwalk-Start nutzen – der Hin- und Rückweg dauert insgesamt gut 30 Minuten.
Camp Adventure passt perfekt in eine Süd-Seeland-Schleife. So könnte das aussehen:
Morgens: Mit der ersten Fähre ab Rostock 8:00, in Gedser um 9:45. Direkt über die E55 nach Rønnede – um 11 Uhr am Camp Adventure. Tower besteigen (1,5–2 Std), Picknick am Boardwalk.
Nachmittags: Weiter nach Vordingborg mit dem Gaasetaarn (20 Min), das ist die zweite mittelalterliche Hochburg in der Gegend. Später zurück Richtung Küste.
Abends: Übernachtung in Marielyst oder Stege auf Møn.
Morgens: Die Kreidefelsen von Møns Klint – das andere grosse Naturwunder Süd-Seelands. Für den Tag braucht's gutes Schuhwerk.
Später Nachmittag: Rückfahrt nach Gedser, Abendfähre 18:45 nach Rostock (Ankunft 20:30).
Das ergibt ein in sich rundes Wochenende ab Rostock – mit zwei der eigentümlichsten Orte Dänemarks: dem 45-Meter-Sanduhrturm und den 128 Millionen Jahre alten Kreidefelsen.
Der Skovtårnet ist 45 Meter hoch. Da er auf einer der höchsten Erhebungen Süd-Seelands steht, liegt die Aussichtsplattform 140 Meter über Meeresniveau. Bei klarem Wetter sieht man bis zu 50 Kilometer weit – an guten Tagen bis zur Øresundbrücke, Kopenhagen und Malmö.
Erwachsene und Kinder ab 7 Jahren zahlen 200 DKK (ca. 27 €) spontan oder 185 DKK (~25 €) bei Online-Buchung mindestens 72 Stunden im Voraus. Kinder von 3 bis 6 Jahren kosten 100 DKK (85 DKK Vorbuchung), Kinder unter 3 Jahren sind kostenlos. Für den Kletterpark beginnen die Preise bei 175 DKK für kleine Kinder, 275 DKK für 7–14-Jährige und 375 DKK ab 15 Jahren.
Es sind rund 85 Kilometer und die Fahrt dauert 60 bis 70 Minuten. Vom Fährhafen Gedser geht es auf der E55 Richtung Norden über Nykøbing Falster und die Storstrøm-Brücke nach Seeland, dann Abfahrt Rønnede. Die Adresse für Navigationsgeräte: Denderupvej 9, 4683 Rønnede.
Ja, der Turm ist komplett barrierefrei. Die innere Spiralrampe ist 650 Meter lang und steigt durchgehend flach an – ohne eine einzige Stufe. Rollstuhlfahrer und Kinderwagen kommen problemlos bis zur Plattform. Auch der 900 Meter lange Boardwalk durch den Wald ist als Holzkonstruktion komplett befahrbar. Das ist eines der wenigen Aussichtsbauten in Nordeuropa, das diesen Anspruch durchhält.
Für den Forest Tower allein sollte man 1,5 bis 2,5 Stunden einplanen – Boardwalk hin, Spiralrampe hoch, Zeit oben (mind. 20 Minuten für 360°-Rundumblick), Rückweg. Mit Climbing Park werden's schnell 5–6 Stunden. Mit eingebautem Picknick und einem zweiten Cafe-Stopp ist es ein Halbtagesausflug.
Auf dem Boardwalk und im übrigen Gelände sind angeleinte Hunde willkommen. Im Forest Tower selbst sind sie aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Wer mit Hund reist, kann das Tier am Tower-Eingang anbinden (schätziger Platz unter Eiche) oder sich mit dem Reisepartner abwechseln.
Bei Nebel und Sichtweiten unter 10 km lohnt es sich nicht wirklich – man bezahlt 25 EUR und sieht nur die nächsten Baumkronen. Bei leichtem Regen oder Bewölkung dagegen schon: Die Architektur funktioniert auch ohne Fernsicht, der Boardwalk schimmert nass besonders schön und es ist ruhiger als an Sonnentagen. Eine echte Alternative bei richtig schlechtem Wetter ist Knuthenborg Safaripark – Drive-through, man bleibt im Auto.
Mehr zum Planen Ihrer Süd-Seeland-Reise:
Bilder dieser Seite mit Lizenzangaben (Wikimedia Commons):
Architekturdaten und Geschichte: EFFEKT (Designteam), Dezeen (12.05.2019), designboom (14.05.2019). Tarife & Öffnungszeiten: campadventure.dk (Stand Mai 2026). Eine vollständige Übersicht aller Bildquellen finden Sie auf bildnachweise.html.