Hintergrund · Stand Juni 2026

Fehmarnbelt-Tunnel und die Fähre Rostock–Gedser: Was sich wirklich ändert

Der Fehmarnbelt-Tunnel soll Dänemark und Deutschland künftig in zehn Autominuten verbinden. Bedeutet das das Aus für die Ostsee-Fähren? Kurze Antwort: nein. Hier sind die Fakten, der ehrliche Zeitplan – und was die feste Querung konkret für die Route Rostock–Gedser bedeutet.

Von Ingo Kroll · aktualisiert Juni 2026

Scandlines Hybridfähre Berlin auf der Ostsee zwischen Rostock und Gedser

Scandlines-Hybridfähre „Berlin" auf der Route Rostock–Gedser · Foto: Scandlines

Was ist der Fehmarnbelt-Tunnel?

Die feste Fehmarnbeltquerung ist ein Absenktunnel zwischen Puttgarden auf der Insel Fehmarn und Rødby auf der dänischen Insel Lolland. Mit rund 18 Kilometern wird sie der längste Absenktunnel der Welt – zusammengesetzt aus 89 vorgefertigten Betonelementen von je 217 Metern Länge und rund 73.000 Tonnen Gewicht. Im Tunnel verlaufen eine vierspurige Autobahn und eine zweigleisige Bahnstrecke. Dänemark finanziert das rund 7 Milliarden Euro teure Projekt, bleibt Eigentümer und erhebt später eine Maut.

Der Zeitgewinn auf der direkten Strecke ist erheblich: Mit dem Auto soll die Querung etwa 10 Minuten dauern, mit dem Zug rund 7 Minuten – gegenüber etwa 45 Minuten reiner Überfahrt auf der heutigen Fähre Puttgarden–Rødby. Die Bahnfahrt Hamburg–Kopenhagen verkürzt sich perspektivisch von 4 Stunden 40 Minuten auf etwa 2 Stunden 30 Minuten.

📐

Länge

18 km
längster Absenktunnel der Welt

🚗

Querung mit dem Auto

ca. 10 Min.
statt ~45 Min. Fähre

🚉

Kosten

~7 Mrd. €
finanziert von Dänemark

🚂

Verkehr

Straße + Bahn
4 Fahrspuren, 2 Gleise

Wann öffnet der Tunnel? Der ehrliche Zeitplan

Hier lohnt sich ein nüchterner Blick, denn die oft genannte Jahreszahl 2029 ist überholt. Ursprünglich war die Eröffnung für 2029 vorgesehen. Im Jahr 2025 und 2026 kamen jedoch handfeste Verzögerungen dazu:

In der Summe gilt 2029 als kaum noch haltbar. Realistisch ist eine Eröffnung in der ersten Hälfte der 2030er-Jahre. Ein verbindliches neues Datum steht (Stand Juni 2026) noch aus – Termine in diesem Großprojekt wurden in der Vergangenheit mehrfach verschoben.

Einordnung: Für deine Reise in den nächsten Jahren heißt das ganz praktisch: Der Tunnel ist noch Zukunftsmusik. Bis dahin – und darüber hinaus – fahren die Fähren ganz normal.

Stirbt die Fähre? Was Scandlines wirklich plant

Die naheliegende Annahme „Tunnel kommt, Fähren verschwinden" stimmt so nicht. Scandlines hat ausdrücklich angekündigt, die Fährverbindung Puttgarden–Rødby auch nach Tunneleröffnung weiterzubetreiben – und investiert dafür kräftig in die Zukunft:

Mit anderen Worten: Die Reederei rechnet damit, dass viele Reisende die Überfahrt bewusst als Teil der Reise wählen – und nicht nur als schnellste Verbindung von A nach B.

Und was ändert sich für die Fähre Rostock–Gedser?

Hier kommt der Punkt, den viele übersehen: Der Tunnel und die Route Rostock–Gedser liegen auf zwei verschiedenen Korridoren.

Westlicher Korridor (Tunnel)

Hamburg → Fehmarn → Puttgarden–Rødby → Lolland → Kopenhagen. Das ist die klassische Vogelfluglinie – und genau hier setzt der Fehmarnbelt-Tunnel an.

Östlicher Korridor (Rostock–Gedser)

Berlin / Ostdeutschland → Rostock–Gedser → Falster → Süd-Seeland → Kopenhagen. Eine eigenständige Achse, die der Tunnel nicht ersetzt.

Wer aus dem Raum Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen oder Sachsen-Anhalt nach Dänemark oder Südschweden reist, fährt über Rostock–Gedser meist die kürzeste und natürlichste Strecke – der Umweg westlich über Fehmarn würde hier nur Kilometer und Zeit kosten. Daran ändert auch ein Tunnel bei Fehmarn nichts.

Ehrlich bleibt: Für Reisende aus dem Hamburger Raum und Schleswig-Holstein kann der Tunnel – wenn er denn fertig ist – die schnellere Wahl Richtung Kopenhagen werden. Für sie war aber auch heute schon eher Puttgarden–Rødby die naheliegende Route, nicht Rostock–Gedser. Die Kundenkreise überschneiden sich also nur am Rand.

Dazu kommen die Stärken, die der Route bleiben: 1 Std. 45 Min. reine Überfahrt, bis zu 12 Abfahrten täglich, moderne Hybridfähren, keine Tunnelmaut – und die Überfahrt als kleine Pause statt Stop-and-go im Tunnelverkehr. Wie sich die beiden deutsch-dänischen Routen heute schon unterscheiden, zeigt unser Fährvergleich Rostock–Gedser und Puttgarden–Rødby.

Was heißt das für deine Reiseplanung?

Kurzfristig (bis Tunneleröffnung)

Es ändert sich nichts. Buche die Fähre Rostock–Gedser wie gewohnt – die aktuellen Preise und Abfahrten findest du auf unserer Preisseite.

Aus Ostdeutschland

Rostock–Gedser bleibt deine kürzeste Route nach Falster, Süd-Seeland und Kopenhagen – unabhängig vom Tunnel.

Nach Tunneleröffnung

Du hast mehr Optionen: Tunnel für maximale Geschwindigkeit auf der West-Achse, Fähre für die entspannte Variante mit Pause an Bord.

Wer Ruhe sucht

Die Überfahrt ist eine echte Pause – Beine vertreten, essen, Aussicht genießen. Das kann ein Tunnel nicht bieten.

Häufige Fragen zum Fehmarnbelt-Tunnel und der Fähre

Ursprünglich war die Eröffnung für 2029 geplant. Nach Verzögerungen 2025/2026 – das Spezialschiff zum Absenken der Tunnelelemente verspätete sich um rund 18 Monate, dazu kommen Genehmigungsverzögerungen bei den deutschen Bahnanlagen – gilt 2029 als kaum noch haltbar. Realistisch ist eine Eröffnung in der ersten Hälfte der 2030er-Jahre. Ein verbindliches neues Datum steht (Stand Juni 2026) noch aus.

Nein. Scandlines hat angekündigt, die Verbindung Puttgarden–Rødby auch nach Eröffnung des Tunnels weiterzubetreiben, und investiert sogar in neue, emissionsfreie Plug-in-Hybrid-Fähren. Die Frequenz soll bei entsprechender Nachfrage gehalten werden – die Fähre positioniert sich als flexible und entspannte Alternative.

Nur indirekt. Der Tunnel liegt auf dem westlichen Korridor Hamburg–Kopenhagen über die Insel Fehmarn. Rostock–Gedser bedient den östlichen Korridor zwischen Berlin/Ostdeutschland und Falster/Ostdänemark. Der Tunnel ersetzt diese Route nicht – für Reisende aus dem Raum Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bleibt Rostock–Gedser die natürliche und meist kürzeste Verbindung.

Auf der direkten Strecke Puttgarden–Rødby ist der Tunnel mit rund 10 Autominuten klar schneller als die ca. 45-minütige Fährüberfahrt. Für die Gesamtreise zählt aber der Startpunkt: Wer aus Ostdeutschland kommt, ist über Rostock–Gedser oft schneller am Ziel, weil der Umweg über Fehmarn entfällt. Die reine Überfahrt Rostock–Gedser dauert 1 Std. 45 Min.

Ja. Dänemark finanziert den rund 7 Milliarden Euro teuren Tunnel über Nutzerentgelte und bleibt nach der Eröffnung Eigentümer, der eine Maut erhebt. Konkrete Preise sind noch nicht final festgelegt; als Orientierung dienen die heutigen Fährtarife auf der Route.

Ja, uneingeschränkt. Bis zur Tunneleröffnung – und auch danach – fährt Scandlines die Strecke Rostock–Gedser wie gewohnt mit bis zu 12 Abfahrten täglich. An deiner Reiseplanung ändert sich vorerst nichts; du buchst die Überfahrt wie bisher.

Fähre Rostock–Gedser buchen

Egal ob mit oder ohne Tunnel – die schnellste Verbindung aus Ostdeutschland nach Dänemark führt über Rostock und Gedser. Bis zu 12 Abfahrten täglich, 1 Std. 45 Min. Überfahrt.

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Rostock–Gedser vs. Puttgarden–Rødby

Der ehrliche Vergleich der beiden deutsch-dänischen Fährrouten – Fahrzeit, Preise, für wen sich welche lohnt.

Preise Rostock–Gedser

Aktuelle Tarife und Spartipps für die Scandlines-Fähre.

Die Hybridfähren Copenhagen & Berlin

Technik, Ausstattung und der Weg zur emissionsfreien Fähre.

Quellen & Stand (Juni 2026): Femern A/S / Femern Belt Development, Scandlines (Pressemitteilungen zu Investitionen und emissionsfreien Fähren), Wikipedia „Feste Fehmarnbeltquerung". Daten und Termine zum Bauprojekt können sich ändern – maßgeblich sind die offiziellen Angaben der Projektträger.