Wildcamping ist in Dänemark verboten. Aber Dänemark hat etwas Besseres: Hunderte Wälder zum kostenlosen Zelten, Tausende Shelterplätze und die Möglichkeit, legal am Strand zu schlafen.
Foto: Mikkel Houmøller / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
In Dänemark darf niemand einfach irgendwo in der Natur sein Zelt aufschlagen. Das regelt das Naturbeschyttelsesloven (Naturschutzgesetz) eindeutig. Wer erwischt wird, zahlt ein Bußgeld – in der Regel zwischen 500 und 2.500 DKK (etwa 67 bis 335 Euro). Bei Wiederholung oder Schäden wird es teurer.
Das gilt für alle Flächen: Privatwald, Felder, Dünen, Naturschutzgebiete. Auch auf öffentlichem Grund ist es nicht automatisch erlaubt. Anders als in Schweden oder Norwegen gibt es in Dänemark kein allgemeines Jedermannsrecht zum Übernachten in der Natur.
Aber: Dänemark hat etwas Besseres als ein vages Jedermannsrecht. Es gibt ein klares, organisiertes System mit Hunderten Plätzen, an denen kostenloses Übernachten in der Natur ausdrücklich erlaubt und erwünscht ist.
Die dänische Naturschutzbehörde Naturstyrelsen hat über 275 Staatswälder für „Fri Teltning“ (freies Zelten) freigegeben. Dort dürfen Sie kostenlos und ohne Anmeldung übernachten – wenn Sie sich an die Regeln halten.
Naturstyrelsen hat eine große Zahl öffentlicher Wälder für freies Zelten freigegeben. Die vollständige Liste steht auf udinaturen.dk.
Kein Ticket, keine Reservierung, keine App. Einfach hingehen, Zelt aufschlagen, übernachten.
Am selben Ort darf nur eine Nacht übernachtet werden. Am nächsten Tag muss das Zelt wieder abgebaut sein.
Fri Teltning gilt ausschließlich für Wanderer, Radfahrer, Paddler und Reiter. Wer mit dem Auto kommt, darf nicht im Wald zelten.
Mit dem Wohnmobil geht das nicht. Aber wer mit dem Fahrrad von Gedser nach Nykøbing radelt, darf auf dem Weg im Wald übernachten. Wer mit dem Seekajak die Küste entlangpaddelt, darf sein Zelt im nächsten Staatswald aufschlagen. Das System ist für Menschen gedacht, die langsam und aus eigener Kraft unterwegs sind.
Dänemark hat über 2.000 Shelterplätze im ganzen Land. Ein Shelter ist ein überdachter Holzunterstand, meistens auf einer Waldlichtung oder an einem See gelegen. Die meisten Plätze sind kostenlos, einige wenige kosten eine geringe Gebühr.
Typisch: Überdachter Schlafplatz aus Holz (3–6 Personen), Komposttoilette, Trinkwasserstelle, Feuerstelle mit Grillrost. Mehr gibt es nicht – aber mehr braucht man auch nicht.
An Shelterplätzen darf bis zu 2 Nächte am selben Ort übernachtet werden. Länger nicht – damit die Plätze für alle verfügbar bleiben.
Die meisten Shelter können nicht reserviert werden. Wer zuerst da ist, schläft drin. Im Sommer an beliebten Plätzen kann es voll werden – dann Zelt als Backup dabeihaben.
Die offizielle Plattform udinaturen.dk listet alle staatlichen Shelterplätze mit Karte und Ausstattung. Über booknatur.dk können die wenigen reservierungspflichtigen Plätze gebucht werden.
Was viele nicht wissen: In Dänemark ist es erlaubt, am Strand zu schlafen. Ohne Zelt, unter freiem Himmel. Das ist keine Grauzone, sondern ausdrücklich im Naturschutzgesetz geregelt.
Erlaubt ist das Schlafen auf dem Strandstreifen zwischen Wasserlinie und Vegetation. Also auf dem blanken Sand, nicht in den Dünen.
Mindestens 50 Meter vom nächsten Gebäude entfernt. An bewohnten Strandabschnitten also etwas weiter rausgehen.
Länger als eine Nacht (12 Stunden am selben Ort) ist nicht gestattet. Am nächsten Morgen muss der Platz geräumt sein.
Am Strand darf kein Zelt aufgebaut werden. Schlafsack, Isomatte und Biwaksack sind in Ordnung. Aber kein Zelt, kein Tarp, keine feste Konstruktion.
Im Sommer bei gutem Wetter ist eine Nacht am Strand eine der besten Übernachtungen, die man in Dänemark haben kann. Sternenhimmel, Meeresrauschen, Sonnenaufgang über der Ostsee. Kein Campingplatz kann da mithalten. Wer es einmal gemacht hat, kommt wieder.
Wer mit der Scandlines-Fähre nach Gedser kommt und per Rad oder zu Fuß weiterreist, hat mehrere Staatswälder mit Fri Teltning in Reichweite. Hier die Wälder auf Falster, Møn und Lolland, in denen freies Zelten erlaubt ist.
Hannenov Skov und Ovstrup Skov bei Nykøbing Falster. Beide Wälder gehören der Naturstyrelsen und sind für Fri Teltning freigegeben. Der Hannenov Skov liegt etwa 15 km nördlich von Nykøbing und ist über Waldwege gut erreichbar.
Udby Skov und Hegnede Skov bei Stege. Der Udby Skov ist vollständig für Fri Teltning freigegeben, der Hegnede Skov nur in Teilen – die erlaubten Bereiche sind vor Ort markiert. Møn ist über die Brücke von Falster aus erreichbar.
Krogsbølleskov und Krukholm Skov bei Nakskov auf der Westseite von Lolland. Beide Staatswälder sind für Fri Teltning freigegeben. Die Anfahrt per Rad von Nykøbing über die Brücke nach Lolland dauert je nach Route 1,5 bis 2 Stunden.
6 Staatswälder auf Lolland-Falster und Møn mit erlaubtem freiem Zelten. Nicht viele, aber genug. Wer mit dem Rad von Gedser nach Norden fährt, kommt an mindestens einem davon vorbei.
Offenes Feuer ist in dänischen Wäldern grundsätzlich verboten. An vielen Fri-Teltning-Plätzen und Shelterplätzen gibt es aber ausgewiesene Feuerstellen mit Grillrost – nur dort darf Feuer gemacht werden. Bei Trockenheit und Waldbrandwarnung gilt ein absolutes Feuerverbot, auch an den Feuerstellen. Die aktuelle Lage veröffentlicht Naturstyrelsen auf naturstyrelsen.dk.
Ja. Der Hannenov Skov und der Ovstrup Skov bei Nykøbing Falster sind für Fri Teltning freigegeben. Beide gehören der Naturstyrelsen. Die Anreise muss zu Fuß, per Rad, Kanu oder Pferd erfolgen – wer mit dem Auto kommt, darf dort nicht zelten.
Die offizielle Plattform udinaturen.dk der Naturstyrelsen listet alle staatlichen Shelter- und Naturlagerplätze mit Karte, Ausstattung und Wegbeschreibung. Über booknatur.dk können die wenigen reservierungspflichtigen Plätze gebucht werden. Insgesamt gibt es über 2.000 Shelterplätze im ganzen Land – die meisten davon kostenlos und ohne Reservierung nutzbar.
Mehr zur Reiseplanung für Dänemark ab der Fähre Gedser: