90 Kilometer, kaum eine Steigung, und die Fähre bringt dich direkt an den Start. Falster ist wie gemacht für eine Radrundtour – flach, überschaubar und mit Überraschungen an jeder Ecke.
Foto: Andreas Wolf 01 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Die Falster-Rundtour ist ungefähr 90 Kilometer lang – je nachdem, wie viele Abstecher du einbaust, können es auch 100 werden. Was die Strecke besonders macht: Falster ist eine der flachsten Inseln Dänemarks. Die kumulative Höhendifferenz liegt unter 200 Metern auf der gesamten Runde. Das heißt, du rollst praktisch die ganze Zeit auf ebenem Terrain.
Die Route führt über einen Mix aus ausgebauten Radwegen, ruhigen Landstraßen und gelegentlich kurzen Abschnitten auf befestigten Feldwegen. Größere Straßen mit viel Verkehr kannst du fast komplett vermeiden. Weite Teile der Strecke verlaufen parallel zum EuroVelo 10 und zum nationalen Radweg 7 (Berlin–Kopenhagen), sind also gut markiert.
An einem langen Sommertag mit frühem Start ist die Runde gut in einem Stück machbar. Wer es gemütlicher angehen will – und unterwegs noch baden, essen und Sachen angucken möchte – teilt die Tour auf zwei Tage auf. Nykøbing Falster oder Marielyst bieten sich als Übernachtungsort an.
Direkt vom Fährterminal geht es los Richtung Norden entlang der Ostküste. Die ersten Kilometer führen durch offene Agrarlandschaft, bevor der Weg in den Bøtø-Wald eintaucht. Hier radelt man auf schattigen Waldwegen zwischen Kiefern und Laubwald hindurch – angenehm kühl, selbst an heißen Tagen.
Kurz vor Marielyst lohnt ein Abstecher zum Bøtø Nor, einem flachen Strandsee hinter den Dünen. Dann öffnet sich der Blick auf Dänemarks beliebtesten Badestrand: feiner, weißer Sand, so weit man schauen kann. Perfekt für die erste Pause.
Ab Marielyst geht es landeinwärts durch die sanft hügelige Gutslandschaft im Norden Falsters. Die Strecke führt an alten Gutshöfen mit langen Alleen vorbei, durch kleine Dörfer und an Feldern entlang, auf denen im Sommer der Raps gelb leuchtet.
Je näher man Nykøbing kommt, desto mehr spürt man die Nähe der Stadt. Nykøbing Falster ist der ideale Stopp für die Mittagspause: Bäckereien, Cafés, ein gut sortierter Supermarkt zum Auffüllen der Vorräte und das Middelaldercentret, falls du dir ein Freilichtmuseum mit Mittelalter-Flair gönnen willst.
Von Nykøbing geht es über die Brücke am Guldborgsund Richtung Südwesten. Dieser Abschnitt bietet die schönsten Wasserblicke der gesamten Tour: der schmale Sund zwischen Falster und Lolland liegt oft spiegelglatt da, mit Segelbooten und gelegentlich einem Fischkutter.
Die Westküste Falsters ist deutlich ruhiger als der Osten. Weniger Touristen, weniger Dörfer, dafür weite Küstenwiesen mit Blick aufs Wasser. Bei klarer Sicht siehst du die Baustelle der neuen Storstrømsbro am Horizont – eine der längsten Brücken Europas, die hier entsteht.
Die letzte Etappe führt über die flache Südspitze Falsters zurück nach Gedser. Hier wird die Landschaft nochmal weiter und offener: Salzwiesen, Weideland, ein paar verstreute Bauernhöfe. Wer noch Kraft hat, macht den kurzen Abstecher nach Gedser Odde – dem südlichsten Punkt Dänemarks.
Auf den letzten Kilometern kommt die Fähre wieder in Sicht, und mit ihr das gute Gefühl, eine ganze Insel aus eigener Kraft umrundet zu haben. Wer die späte Fähre nimmt, kann im Hafen von Gedser noch ein Bier trinken und die Beine ausstrecken.
Dänemarks südlichster Punkt. Ein kurzer Abstecher vom Hauptweg führt zur Landspitze mit Gedenkstein und weitem Blick über die Ostsee Richtung Deutschland.
Flacher Strandsee hinter den Dünen – ein Paradies für Vogelbeobachter. Im Frühjahr und Herbst rasten hier tausende Zugvögel.
Einer der besten Strände Dänemarks. Weißer Feinsand, flaches Wasser, ideal für eine Badepause mitten auf der Tour.
Freilichtmuseum am Rand von Nykøbing, das das Mittelalter lebendig macht. Bogenschießen, Schmiede, historische Marktstände – besonders für Familien ein lohnender Stopp.
Die schmale Meerenge zwischen Falster und Lolland. Von der Westküste aus bieten sich immer wieder schöne Blicke übers ruhige Wasser.
Vom Nordwesten Falsters aus ist die im Bau befindliche neue Storstrømsbrücke zu sehen – eines der größten Infrastrukturprojekte Skandinaviens.
Scandlines nimmt Fahrräder auf der Rostock–Gedser-Fähre mit. Der Zuschlag liegt bei etwa 1,50 EUR pro Rad. An Bord gibt es Stellplätze auf dem Fahrzeugdeck – einfach der Beschilderung folgen.
In Gedser und Nykøbing Falster gibt es Fahrradverleihe, teils auch mit E-Bikes. Im Sommer vorher reservieren, die Nachfrage ist hoch. Einige Hotels und Ferienhausanbieter verleihen ebenfalls Räder.
Falster ist flach und offen – Wind spürst du hier deutlich. Bei Westwind fährst du die Ostküste geschützt und hast auf der Rückseite Rückenwind. Prüfe die Windrichtung vorab und wähle die Fahrtrichtung entsprechend.
Auf der Westseite Falsters gibt es kaum Einkaufsmöglichkeiten. Deck dich in Nykøbing Falster mit Wasser und Verpflegung ein, bevor du die Westküste ansteuerst. In Marielyst und Gedser gibt es ebenfalls Supermärkte und Kioske.
Von Mai bis September sind die Bedingungen ideal: lange Tage, milde Temperaturen, wenig Regen. Juni und August bieten die längsten Tage. Im Hochsommer kann es in Marielyst voll werden – unter der Woche ist es ruhiger.
Die Route ist teilweise als nationaler Radweg 7 und EuroVelo 10 ausgeschildert. Trotzdem lohnt sich eine Offline-Karte auf dem Handy – nicht alle Abzweigungen sind eindeutig markiert.
Falster liegt an der Kreuzung zweier bedeutender Fernradwege. Wer die Inselrunde als Teil einer größeren Tour plant, hat gute Anschlussmöglichkeiten in beide Richtungen.
Der EuroVelo 10 umrundet die gesamte Ostsee auf über 9.000 Kilometern und führt dabei quer über Falster. Von Gedser aus kannst du Richtung Norden nach Kopenhagen weiterfahren oder die Route nach Deutschland zurückverfolgen – über die Fähre nach Rostock und dann entlang der deutschen Ostseeküste.
Der dänische Abschnitt des Berlin–Kopenhagen-Radwegs beginnt in Gedser und führt über Falster, Lolland und Seeland bis in die Hauptstadt. Auf deutscher Seite geht die Route über Rostock, die Mecklenburgische Seenplatte und Brandenburg. Falster ist also ein Baustein in einer Tour, die zwei Hauptstädte verbindet.
Ja, in Nykøbing Falster und teils auch in Gedser gibt es Fahrradverleihe. Im Sommer empfiehlt sich eine Vorab-Reservierung, besonders für E-Bikes. Einige Unterkünfte auf Falster verleihen ebenfalls Räder an ihre Gäste.
Falster ist topfeben – ideal für Familien. Allerdings sind 90 km an einem Tag für Kinder zu viel. Am besten die Tour auf zwei Tage aufteilen oder nur die Ostküste bis Marielyst (ca. 20 km) und zurück fahren. Die Strecke verläuft größtenteils auf ruhigen Wegen abseits des Autoverkehrs.
Nykøbing Falster ist der beste Übernachtungsort – hier gibt es Hotels, B&Bs und einen Campingplatz. Alternativ bietet sich Marielyst an, wo zahlreiche Ferienhäuser und ein Campingplatz direkt am Strand liegen. Beide Orte liegen günstig an der Rundstrecke und haben Supermärkte und Restaurants.
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